Die hartgesottene Fangemeinde atmet auf.: VAST ist wieder da und hat im Gepäck ein saftiges Stück Versöhnlichkeit. VAST, das sind die Livemusiker um den begnadeten Sänger und Songschreiber Jon Crosby, der Ende der Neunziger mit seinem im Alleingang eingespielten “Visual Audio Sensory Theatre” für grosses Kino und Aufsehen sorgte und kurz darauf einen Major-Deal an Land zog. Doch schon ein Album später brach er mit dem Weltkonzern, um sich abseits des Mainstream-Rummels kompromisslos seiner Vision von Musik zu widmen und diese als MP3s über die eigene Homepage zu verkaufen – lange bevor der Rest der Industrie diesen Vertriebsweg zum neuen Standard erklärte. Dies hatte natürlich zur Folge, dass die breite Öffentlichkeit bis heute kaum Notiz von Jons Schaffen genommen hat (ein Umstand, den er im Song “I thought by now” verarbeitet), doch gleichzeitig bildete sich eine eingeschworene Fangemeinde, die VAST mit beinhahe religiösem Eifer huldigt.
Nun schenkt der charakterstarke Wahl-Texaner mit dem schweren Gemüt und der gewaltigen Stimme, der sich privat gern mit Jazz und Japan beschäftigt, seinen Fans einen weiteren Longplayer. Genau genommen handelt es sich nicht um eine VAST Platte im eigentlichen Sinn – vielmehr ist es eine Auslese von Songs, die Jon auf stattlichen 5 Soloalben, der sogenannten “Generica”-Serie, 2008 ganz nebenbei rausbrauchte. So bewegt sich “Me and You” auf ähnlichem Feld wie das Nullsiebner Album “April”; Akkustisch eingespielte Musik, die weder viel Zeit noch Worte verliert und massgeblich vom Wechselspiel zwischen Stimme und Gitarre lebt. Der heilige Zorn und die finstere Bitterkeit vergangener Werke sind süssem Leiden und sentimentaler Versöhnlichkeit gewichen, ohne dass Jon seinen Schneid verloren hätte. Noch immer kann er auf höchstem Niveau klagen (“You should have known I’d leave”), zelebriert das wehmütige Gedenken an führere Weggefährten (“Here’s to all the people that I’ve lost”) und bei der sommerleichten Liebeserklärung “You are the one” erlebt man den Meister gar so aufgeräumt und zurückgelehnt wie nie zuvor. Das Ego hat Platz eingebüsst und das Herz ist gewachsen.
“Me and You” mag mit seiner subtilen Wildwest-Romantik im Vergleich zum Vorgänger kein Quantensprung sein, doch es stellt Inhalt konsequent über Form – was für die heutige Zeit schon fast wieder modern ist. Der einstige Pionier ist noch immer rastlos unterwegs in den endlosen Weiten seiner eigenen Leidenschaften und es wird interessant zu sehen sein, über welche Territorien er demnächst schreitet – unlängst stellte er in einem Blog für kommende Outputs gar die Rückbesinnung auf elektronische Elemente in Aussicht. .
Die neue VAST: ein aufrichtiges, artistisches und nachhaltiges Werk, das nicht die Gnade der Weissbrot-Medien finden wird, doch dafür dem Rock n Roll ein weiteres kleines Stück seiner verlorenen Zukunft zurück gibt.
“Me and You” erschien Ende Mai und ist als Download auf der offziellen Bandseite, oder als Tonträger bei cede.ch erhätlich. VAST touren derzeit quer duch die USA – Gigs in Europa sollen folgen. Konzertdaten und weitere Infos auf www.myspace.com/vast. (Text: Mike Mateescu)
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Zwei Klassiker aus dem VAST-Repertoire:


