Der Konzert-Herbst nimmt langsam aber sicher Fahrt auf. Dieses Wochenende hat gleich zwei für Klangschau-Verhältnisse etwas spezielle Konzerte gesehen: Einen Kinofilm mit Naked Lunch und einen klassischen Liederabend mit Phantom/Ghost. Wobei aber leider nur eins der zwei Konzepte wirklich aufging.
Den Anfang machten im Palace Naked Lunch, die ihren Soundtrack zum Film Universallove live einspielten. Da es in dem Rahmen reichlich unangebracht gewesen wäre zu Filmen, hier ein Video von einem ähnlichen Auftritt:
Was in diesem Video noch ein bisschen nach Konzert aussieht sah im alten Kino Palace mit der Band im Schatten der Leinwand noch viel mehr nach Kinofilm aus. Verglichen mit ihrem letzten Auftritt spielten die Österreicher dieses Mal nur die zweite Geige und gingen in ihrem Konzept unter. Mit dem Abspann verschwand schliesslich die Band und verzichtete leider auf eine Zugabe.
Ganz anders die Herren Mynther und Lowtzow im Zürcher Exil, die sich vom begeisterten Publikum gleich zwei Mal zurück an Flügel und Mikrofon klatschen liessen. Da hier der Rahmen noch intimer war und ich gleich in der 2ten Reihe sass, wäre Filmen noch viel unangebrachter gewesen, daher auch hier ein Secondhand-Video:
Genauso wie Naked Lunch an ihrem Konzept scheiterten gelang es hier vorzüglich, was in gleichen Teilen den fröhlichen Herren auf der Bühne, dem euphorischen Publikum und dem nicht zu grossen Raum geschuldet war. Vielleicht muss ich meine Liederabend-Vorurteile nochmal überdenken, aber wer ausser Lowtzow singt schon Lieder vom Buffy Musical Once More With Feeling.
Zum Schluss noch der Höhepunkt des Konzerts zu dem das Publikum leise mitmurmelte (auch hier in einer Secondhand-Version):

Warum sind Naked Lunch gescheitert? Der Anfang war vielleicht ein bisschen gewöhnungsbedüftig aber mit der Zeit stimmte das Timing, die Melodie sowie die nötige Filmsequenz! Vielleicht war es ja gut in diesem sogenannten “Konzept” sich mehr auf den Film zu konzentrieren. Naked Lunkch machten den Rest und das sehr gewissenhaft und gefühlsvoll…klar, schlussendlich ist es Geschmacksache, aber rein aus musikalischer Sicht betrachtet boten Naked Lunch einen soliden Auftritt. Gute Stimme, schöne Melodien…wenn man sich schon den Qualitäten bewusst ist, darf man das Feld auch mal von hinten aufräumen
was vielleicht auch ein Zeichen von Qualität ist. Und ich meine nicht nur die musikalische. Phantom Ghost habe ich leider verpasst, aber mit Mr. Tocotronic kann ja nichts schif gehen.
ich würds mal so sagen: der film für sich – auch wenn ich ihn nicht sonderlich interessant finde – und naked lunch für sich wären jeweils deutlich besser gewesen. man erinnere sich nur an das wunderbare letzte konzert. in dem fall war halt 1+1 mal nicht 2 oder gar 3 sondern eher 0.834.